14/05/2026 0 Kommentare
GAIA: Gedanken zur Nacht – Unter einem Himmel
GAIA: Gedanken zur Nacht – Unter einem Himmel
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GAIA: Gedanken zur Nacht – Unter einem Himmel
Unter der leuchtenden Erdkugel „GAIA“ in der Ludwigskirche versammelten sich am 27.04. (wie an jedem Abend während der Zeit der Ausstellung) um 21.00 Uhr Besucherinnen und Besucher zu einer besonderen Viertelstunde der Stille, der Musik und der Besinnung. In der abgedunkelten Kirche richteten sich die Blicke nach oben – auf die fragile Schönheit unseres Planeten – und zugleich in die Weite der Welt.

Der Abend griff die Eindrücke eines Vortrags von Lucas Catarino aus Teresina (Brasilien) auf, der eindrücklich von den ökologischen Herausforderungen seiner Heimat berichtete. Seine Worte lenkten den Blick auf die bedrohten Regenwälder und die Situation der indigenen Bevölkerung, deren Lebensraum und kulturelle Identität untrennbar mit dem Wald verbunden sind.
Den inhaltlichen Impuls an diesem Abend gestaltete unsere Pfarrerin Lena Stubben. Sie führte die Gedanken der Teilnehmenden von der stillen Betrachtung der Erde hin zu der Frage nach Verantwortung, Verbundenheit und Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt. Musikalisch wurde die Andacht einfühlsam begleitet von Wolfgang Donnermeyer (Violine) und Birgit Kipp (Klavier). Zu Beginn erklang die „Sicilienne“ von Maria Theresia von Paradis – ein ruhiger, einladender Klang, der den Raum für die folgenden Gedanken öffnete. Ein weiteres Zwischenspiel von Carl Reinecke („Ohne Sorgen“) vertiefte die Atmosphäre der Stille. Im Zentrum der Andacht stand die Erfahrung der Verbundenheit: Unter der schwebenden Darstellung der Erde wurde deutlich, dass es keine sichtbaren Grenzen gibt, die Menschen oder Lebensräume voneinander trennen. Was aus der Perspektive des Alls friedlich und harmonisch erscheint, ist in Wirklichkeit von tiefen Spannungen geprägt. Der Regenwald, oft als „Lunge der Erde“ bezeichnet, ist weit mehr als ein ökologischer Faktor – er ist Heimat, spiritueller Ort und Lebensgrundlage für viele Menschen.

Die Impulse des Abends machten deutlich, dass es beim Schutz dieser Regionen nicht allein um Umweltfragen geht, sondern auch um Gerechtigkeit und Verantwortung. Indigene Gemeinschaften bewahren seit Generationen ein Wissen über ein Leben im Einklang mit der Natur – ein Wissen, das in unserer modernen Welt vielfach verloren gegangen ist. Ihre Perspektive erinnert daran, dass der Mensch nicht Besitzer der Erde ist, sondern Teil eines größeren Ganzen.
Ein zentraler Gedanke zog sich durch die Andacht: „Alles ist mit allem verbunden.“ Diese Einsicht wurde sowohl ökologisch als auch theologisch gedeutet. In der Lesung aus Psalm 24 („Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“) wurde die Verantwortung des Menschen als Hüter der Schöpfung hervorgehoben. Ergänzt wurde dies durch ein Wort aus der Weisheit indigener Völker: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“
In der anschließenden Stille war Raum für persönliches Gebet, für Nachdenklichkeit und für das bewusste Wahrnehmen der eigenen Rolle in diesem Gefüge. Die Teilnehmenden brachten die Bilder von bedrohten Landschaften, aber auch ihre eigenen Fragen und Unsicherheiten vor Gott. Den gemeinsamen Abschluss bildeten das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ sowie ein Segen, der die Hoffnung in den Mittelpunkt stellte, dass aus der Erfahrung der Stille und des Staunens ein achtsames Handeln erwachsen kann.
So verband dieser Abend unter der GAIA auf eindrückliche Weise Kunst, Spiritualität und ökologische Verantwortung – und lud dazu ein, die eigene Perspektive zu weiten: von der lokalen Erfahrung hin zu einem Bewusstsein für das gemeinsame Leben unter einem Himmel.
Die Ausstellung geht noch bis zum 3. Mai
(www.katholisch-ibb.de/projekt-gaia/das-projekt).
Der Abschlussgottesdienst am Sonntag um 11.00 Uhr ist unser Zentralgottesdienst unter dem Motto: „Die Welt zum Klingen bringen - die Schöpfung als Resonanzraum“, wird gestaltet von Superintendent André Ost, Pfarrerin Christine Jürgens und Kirchenmusiker Christian Schauerte.
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