15/05/2026 0 Kommentare
Unter der Erde vereint: Bewegender Abschluss der GAIA-Ausstellung
Unter der Erde vereint: Bewegender Abschluss der GAIA-Ausstellung
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Unter der Erde vereint: Bewegender Abschluss der GAIA-Ausstellung
Staunen, Hoffnung und Verantwortung unter der GAIA
Zum Abschluss-Gottesdienst der GAIA-Ausstellung in der Ludwigkirche kamen noch einmal zahlreiche Menschen zusammen, um gemeinsam innezuhalten, zu staunen und nachzudenken. Pfarrerin Christine Jürgens betonte in ihrer Ansprache, dass die Erfahrungen und Gedanken unter der Erdkugel nicht mit dem Ende der Ausstellung verschwinden, sondern die Menschen weiter begleiten. Die Erde verbinde und trage alle gleichermaßen. Im Rahmen des Sonntags Kantate stand zudem das Lob Gottes im Mittelpunkt – nicht durch Perfektion, sondern durch gemeinsames Leben und Erleben. Besonders hervorgehoben wurden die ökumenische Gemeinschaft und Gastfreundschaft, die diesen besonderen Gottesdienst geprägt haben. Unter dem Eindruck der GAIA-Ausstellung wurde deutlich, wie sehr Menschen seit biblischen Zeiten über die Schönheit und Größe der Schöpfung staunen und dafür Dank ausdrücken.
Mit Worten aus Psalm 148 wurde im Gottesdienst die ganze Schöpfung zum Lob Gottes eingeladen: Himmel und Erde, Sonne, Mond und Sterne, Tiere, Pflanzen und Menschen aller Generationen. Der Psalm machte deutlich, dass die Welt in ihrer Vielfalt Ausdruck von Gottes Größe und Ordnung ist. Unter der beeindruckenden Gaia-Installation wurde dieser Lobgesang besonders greifbar. Alle waren eingeladen, die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Erde neu wahrzunehmen und sich als Teil dieser gemeinsamen Schöpfung zu verstehen.
In ihrer Predigt griff Pfarrerin Christine Jürgens die großen Herausforderungen der heutigen Zeit auf – Klimakrise, gesellschaftliche Spannungen, Kriege und den Umgang miteinander. „Wenn ich könnte, dann würde ich …“ Unter der schwebenden Erdkugel „GAIA“ wurde deutlich, wie klein der Mensch angesichts der Größe und Beständigkeit der Erde ist und zugleich, welche Verantwortung damit verbunden ist. Ausgehend von der Schöpfungsgeschichte stellte die Predigt die Frage, wie Menschen auf Gottes Ruf „Es werde“ antworten können. Dabei ging es nicht um Perfektion oder bloße Weltverbesserung, sondern um Zuhören, Verantwortung und gemeinsames Handeln. Die Erde wurde als gemeinsamer Lebensraum verstanden, in dem alle miteinander verbunden sind. Die besondere Atmosphäre unter der GAIA-Installation machte spürbar, wie Glaube, Musik, Gemeinschaft und Staunen Menschen verbinden können. Die Predigt endete mit der Ermutigung, Hoffnung nicht anderen zu überlassen, sondern selbst Teil dieses Handelns zu werden.
André Ost stellte in seiner Predigt Psalm 148 in den Zusammenhang der GAIA-Ausstellung und betonte die enge Verbundenheit von Mensch, Schöpfung und Gott. Der Psalm lade dazu ein, die Welt nicht als bloße Ressource zu betrachten, sondern als Teil einer von Gott geschaffenen Ordnung. Kritisch setzte sich Ost mit dem heutigen Umgang des Menschen mit der Welt auseinander. Unter Bezug auf den Soziologen Hartmut Rosa beschrieb er, wie versucht werde, die Welt immer stärker verfügbar und beherrschbar zu machen. Wachstum, Nutzen und Kontrolle stünden dabei oft im Mittelpunkt – mit Folgen wie Umweltzerstörung, Klimawandel und Entfremdung.

Im weiteren Verlauf der Predigt beschrieb Ost die Folgen eines Lebensstils, der auf ständiges Wachstum und Kontrolle ausgerichtet ist. Trotz materiellen Wohlstands erlebten viele Menschen innere Leere und Erschöpfung, weil echte „Resonanz“ – also Beziehung, Berührung und Veränderung – verloren gehe. Zugleich rückte die Predigt globale Ungerechtigkeiten und die Klimakrise in den Mittelpunkt. Ost erinnerte daran, dass der hohe Ressourcenverbrauch der reichen Industrienationen nicht dauerhaft tragfähig sei. Viele aktuelle Krisen stünden eng mit dem Kampf um begrenzte Ressourcen in Verbindung. Umso wichtiger seien gemeinsames Handeln, internationale Zusammenarbeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung, damit auch kommende Generationen auf der Erde leben können.
Zum Ende seiner Predigt machte André Ost Mut, trotz der großen globalen Herausforderungen die Hoffnung nicht zu verlieren. Niemand könne die Welt allein retten, doch jeder Mensch trage Verantwortung für den eigenen Lebensbereich und könne mit dem eigenen Handeln einen Unterschied machen. Ost benannte drei wichtige Schritte: echte Begegnungen mit Menschen und der Natur zu suchen, ein demütiges und respektvolles Verhältnis zur Schöpfung zu entwickeln sowie Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen zu übernehmen. Dabei gehe es auch darum, die eigenen Grenzen zu erkennen und achtsam mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen. Die Gaia-Ausstellung könne helfen, die Erde neu als gemeinsamen Lebensraum wahrzunehmen und Dankbarkeit für die Schöpfung zu entwickeln. Der Schutz der Umwelt sei deshalb kein Randthema, sondern gehöre zum Kern christlicher Verantwortung und des Glaubens.
Zum Abschluss des Gottesdienstes hob Ost die besondere ökumenische Gemeinschaft hervor, die das Feiern dieses evangelischen Gottesdienstes unter der Gaia in der katholischen Ludwigkirche möglich gemacht hatte. Ein besonderer Dank galt allen Beteiligten sowie den zahlreichen Helfenden, die die Ausstellung und die vielen Veranstaltungen der vergangenen drei Wochen begleitet hatten. Die GAIA-Ausstellung habe viele Menschen beeindruckt, inspiriert und zum Nachdenken angeregt. Mit Dankbarkeit wurde auf die große Resonanz und die besonderen Erfahrungen zurückgeblickt, bevor die Installation weiter nach Mainz zieht. Der Gottesdienst endete mit einem Segensgebet, das die Bitte um offene Augen, offene Ohren und ein vertrauensvolles Herz in den Mittelpunkt stellte.
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